Die neuesten Inspirationen

Über das Loslassen der Mütter

Ulrike Bischof "Touching the Essence" - Coaching, Stimmarbeit, Weg des Herzens www.ulrikebischof.de


Viele Mütter wissen dies nicht…

Sie tragen ihre Kinder lange Zeit unter ihrem Herzen, bevor sie sie gebären und damit von ihrem nährenden Körper entbinden und in die große Welt eintauchen lassen. Wiederum eine lange Zeit behüten, schützen, nähren, umsorgen und fördern sie ihre Kinder, so gut sie können und es ihnen möglich ist.

Und dann kommt der 14. Geburtstag. Die Zeit der Pubertät. Eine Zeit der Neuorientierung und Neufindung im Leben eines jeden Jugendlichen. Für die Jugendlichen ist dies eine Zeit der großen Herausforderungen. Sie sind schon lange keine Kinder mehr, aber das Erwachsensein erscheint ihnen meist auch nicht sehr erstrebenswert, da ihnen oft die richtigen Vorbilder fehlen.
Aber auch für die Eltern ist diese Zeit eine weitere große Herausforderung, da ihre Kinder nun ihrem Einfluss entwachsen und eigene Vorstellungen von ihrem Leben konkreter werden lassen wollen, die eventuell nicht den Vorstellungen der Eltern entsprechen.

Hinzu kommt, dass oft gerade die Mütter so sehr in ihre Mutterrolle hineingewachsen sind, dass sie oft den rechten Zeitpunkt verpassen, ihre Kinder ein zweites Mal zu entbinden. Aber diese erneute Entbindung zum 14. Geburtstag, diesmal auf emotionaler Ebene, ist ein wichtiger, nicht zu unterschätzender Schritt im Leben von Eltern und Jugendlichen.
In den alten und indigenen Kulturen war und ist dieser Zeitpunkt ein Anlass zum Feiern. Mit verschiedenen Ritualen wird die Mann- bzw. Frauwerdung und damit der Eintritt ins Erwachsenenleben gefeiert und geheiligt.
Die Rituale dienen hierbei auch der Bewusstmachung. Da der junge Mensch in eine neue Lebensphase eintritt, bereichern ihn nun neue Verantwortlichkeiten und Freiheiten. Die Eltern und ganz besonders die Mutter ist aufgefordert, in diesem jungen Menschen spätestens jetzt nicht mehr ihr Kind zu sehen, sondern einen jungen Mann oder eine junge Frau – ein junger Mensch, der ihr anvertraut wurde und den es nun ins eigenverantwortliche Leben zu entlassen gilt.

Bis zu seinem 21. Lebensjahr stehen die Eltern diesem jungen Menschen immer noch mit Rat und Tat zur Seite, dann erfolgt die dritte Entbindung, diesmal auf mentaler Ebene. Danach sollten Eltern nur noch Ratschläge erteilen, wenn sie dazu aufgefordert werden.

Abendhimmel

Zum 14. Geburtstag meines jüngsten Sohnes hatten wir uns statt für die übliche, inzwischen sinn-entfremdete Jugendweihe-Feier zu einem uralten, traditionellen Ritual der Mannwerdung entschlossen.

FeuerIch übergab meinen Sohn in die Hände eines Schamanen und einer Schamanin, die ihn gemeinsam auf seine ganz persönliche Reise in die Männerwelt vorbereiteten. Sie begleiteten und förderten ihn mit verschiedenen Gesprächen, Männergesprächen, Ritualen und Anrufungen bis zum Beginn des Hauptrituals, das er allein zu bestehen hatte.

In einer Nacht ganz allein im Wald, konfrontiert mit Dunkelheit, Geräuschen, Tieren und aufsteigenden Ängsten, ohne Schlaf, hat er sein Feuer gehütet und ist am nächsten Morgen zum Mann gereift zurück gekommen.

Auch ich war in dieser Nacht gefordert und konfrontiert.
Gefordert war das Lockern meiner treu sorgenden Mutterhand , die doch immer alles so gut im Griff hatte.
Gefordert war das Loslassen meiner vertraut gewordenen Mutterrolle.
Gefordert war das Vertrauen in die gute vorbereitende Arbeit der beiden Schamanen, die ihn natürlich die ganze Nacht auf geistiger Ebene unterstützten.
Gefordert war das Vertrauen in meinen Sohn, in seine Stärke, seine Führung, seinen Weg. Und gefordert war auch das Vertrauen in mich selbst, diesen Prozess der Loslösung mit offenem und liebendem Herzen zu durchschreiten.

Während mein Sohn irgendwo allein im Wald saß, saß ich allein in der Dunkelheit, betete und weinte in einen Teich.
Und mit jeder einzelnen Träne geschah Annahme, Loslassen, Vertrauen und Heilung.

Am nächsten Tag nahm ich einen gereiften, gewachsenen und müden jungen Mann wieder in Empfang.
Wir waren beide gereift, jeder auf seine Weise.

Inzwischen ist er 16 Jahre alt.
Gestern war ich auf seiner Schulabschluss-Feier.
Ich fand es wirklich sehr ergreifend, wie die ganzen jungen Menschen bei dieser Boxchampion-Musik in den Saal einmarschierten und ihn mit ihrer „Wir haben es geschafft“-Energie erfüllten…
…und ich fühlte intensiv das Durchschreiten eines weiteren wichtigen Tores auf meinem Weg.

Regenbogen

Ich möchte euch Mütter und Väter wirklich von Herzen ermutigen, eure Kinder zum rechten Zeitpunkt in ihr eigenes Leben zu entlassen.
Traut ihnen etwas zu! Und euch auch.
Schenkt ihnen Vertrauen und Entscheidungsmacht! Und euch auch.

Ihr werdet vermutlich staunen über die vielen Geschenke, die dieser Schritt euch einbringen wird.
Ich staune immer noch… und bin dankbar für die vielen Reifeaspekte, die diese Erfahrungen in mein Leben gebracht haben.

Nachtrag: Inzwischen ist er 18 Jahre alt, hat eine eigene kleine Wohnung, studiert  mit viel Eigeninitiative seinen Traumberuf und geht seinen Weg ganz selbstbewusst und selbständig. Was für eine Freude!
Und ich bin da, wenn er mich braucht. 

Von Herzen, Ulrike

Ein Kommentar zu Über das Loslassen der Mütter

  1. Liebe Ulrike, deine “Tägliche Inspiration” ist immer wieder eine wirkliche tolle Inspiration für mich. Und vor allem – es kommen immer die richtigen Themen, genau zur richtigen Zeit! Wie das nur funktioniert… Herzlichen Dank und herzliche Grüße aus Dresden Ines

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