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Wo die Angst ist, geht es lang

Ulrike Bischof "Touching the Essence" - Bewusstseinscoaching & Stimmarbeit www.ulrikebischof.de


Als Kind war ich die große Königin der Gleitschuhe.
Für alle, die Gleitschuhe nicht kennen, habe ich ein Bild eingefügt. Eigentlich sind es nur zwei Blechstreifen, die unter die Schuhe geschnallt werden und dann wird aus einem Stiefel ganz plötzlich ein Abenteuer. 😉

GleitschuheFurchtlos schoss ich im Stehen JEDEN Berg hinunter, egal wie hoch, wie huckelig oder furchteinflößend er auch war. Ich riskierte einen schmerzenden Hintern und sogar gebrochene oder verstauchte Gliedmaßen für diese Erfahrung. Ich trieb es so weit, dass ich wirklich steile Abfahrten nahm, die sich kein anderer zu nehmen traute und brachte das Gleitschuhfahren für mich zur Perfektion.

Warum tat ich das?
Es war für mich das absolute Gefühl von Freiheit! Ich spürte meinen Körper und wie er sich immer weiter für diese Aufgabe perfektionierte. Ich spürte das pulsierende Leben und wie es mich bei meiner Erfahrung trug und führte. Ich spürte, wie sich meine Wahrnehmung und Aufmerksamkeit auf das für diese Erfahrung absolut Wichtigste fokussierte und alles in diesem Moment Unwichtige in den Hintergund rückte. Ich war 100 % da. Ich spürte, wie sich mein Bewusstsein und mein Energiefeld erweiterte und ich immer mehr EINS wurde mit Himmel und Erde.
Da ich als Kind sehr viel allein spielte, war ich an das Zusammensein nur mit mir und Himmel und Erde gewohnt. Es machte mir keine Angst, allein zu sein und Langeweile kannte ich nicht. Im Gegenteil, ich wurde immer kreativer und immer mutiger im Erfahren meines Seins. So weit, so gut.

Irgendwann war ich den Gleitschuhen entwachsen. Ich ging arbeiten, bekam Kinder, dachte über Geld nach und fast unbemerkt verschoben sich die Prioritäten in meinem Leben hin zum Wunsch nach Standfestigkeit und Sicherheit. Meine Offenheit, Freude und Liebe zum Leben ging zwar nie ganz verloren, doch plötzlich hatte ich mehr Angst vor neuen Erfahrungen als ich früher Freude daran hatte. Vielleicht kennt ihr das auch.

Nachdem ungefähr 36 Jahre nach meiner Gleitschuh-Freiheitserfahrung vergangen waren, brachte Ulrike, die Frau, Freundin, Vertraute und Weggefährtin an meiner Seite den Wunsch zum Ausdruck, mit mir Schlittschuhlaufen zu gehen. Und was war mein erster Impuls? Um Gottes Willen, das kann ich doch nicht…
Eine zeitlang konnte ich mich drücken, bis uns eine liebe Freundin (danke dir, liebe Ines und danke dir, geliebter Gott für deine Hartnäckigkeit) zum Schlittschuhfahren einlud. Auf einer Eisbahn, im Freien, unter Lichterketten und mit Musik, mit Glühwein und … meinem Schiss, nun eine ganz andere Erfahrung zu machen als damals. Ich sah mich fallen, mich lächerlich machen oder ganz versagen…

Ich erschrak vor mir selbst und gelangte nun zügig an einen Punkt in mir, wo sich in meinen Erwachsenen-Schiss eine gehörige Portion kindliche Leichtigkeit und jugendliche Abenteuerlust mischten. Also sagte ich JA zu diesem neuen Abenteuer.

Die Schlittschuhe an meinen Füßen umschlossen meine Füße und Fußgelenke so sicher, dass ich damit sicher nicht umkicken konnte, doch was war mit dem Rest meines Körpers oberhalb meiner Fußgelenke…? Ich holte tief Luft und wagte mich auf´s Eis.
Ups! – glatt, rutschig, unsicher, keinerlei Kontrolle…

Ich hangelte mich drei Runden lang an der Bande lang, bis ich merkte, dass dies noch viel anstrengender war als etwas zu wagen. Doch der Schritt von der Bande weg erschien mir schlichtweg unmöglich ohne alles aufzugeben. 😉

Schlittschuhlaufen - Der Anfang

Und wieder half mir das Leben und stellte einen hilfreichen Kumpel an meine Seite bzw. vor meine rutschigen Kufen. Einen niedlichen kleinen Pinguin. Ich fragte mich, ob der nicht viel zu klein für mich wäre, doch mein inneres Kind fand den einfach fantastisch und griff zu.

Nun geschah etwas Außergewöhnliches. Ich ging auf Zeitreise. Hin zu meinen Gleitschuhen, meinem Gefühl von Freiheit, Sorglosigkeit und Vertrauen. Gebückt und auf den kleinen Pinguin gestützt nahm ich wieder einmal nur mich und mein Projekt wahr. Ich begann zu laufen und ich konnte spüren, wie in Nanosekundenschnelle Erinnerungen aus meinem Gehirn und meinen Zellen abgerufen, verarbeitet und neu modifiziert wurden. Ich spürte wieder, wie sich mein Bewusstsein erweiterte und meine Aufmerksamkeit fokussierte. Ich verschmolz praktisch mit dem Eis und wir zwei hatten einen Tanz miteinander.

Schlittschuhlaufen - Wie es weiter ging

Meine Angst verschwand und meine Freude kehrte zurück. Eine kindliche Freude, völlig unschuldig und hingebungsvoll.
Ich weiß nicht, wie viele Runden ich so auf dem Eis drehte (es waren viele), doch ich genoss die Wahrnehmung meines Lern-, Erinnerungs- und Verschmelzungsprozesses so ausgiebig, dass ich gar nicht mehr damit aufhören wollte. Meine schließlich schmerzenden Hände und der krumme Rücken erinnerten mich irgendwann daran, dass das Leben aufrecht und in Eigenverantwortung gelebt werden will und ich richtete mich auf.

Ich verabschiedete mich von meinem neuen Freund und Wegbegleiter, dem Pinguin und ergriff eine menschliche Hand (die von Ulrike), um nun einige Erwachsenen-Runden zu drehen. Bei einem so großen Körper muss schließlich so einiges aus-tariert werden. 😉
Für diesen Tag war ich unendlich erfüllt, stolz und glücklich. Den zweiten Tag auf dem Eis konnte ich kaum erwarten.

Ein paar Tage später machten wir uns zu zweit nochmals auf den Weg. Freiwillig auf´s Glatteis!
Ich schnappte mir zunächst meinen alten Freund, den Pinguin, um mich wieder vollständig in den fast süchtig machenden Bewusstseinsprozess der Verschmelzung mit Himmel und Erde (in diesem Fall Eis) zu begeben. Dieses Mal ging alles sehr viel schneller, wie ihr euch sicher denken könnt. Und nach ein paar gemeinsamen Runden wagte ich … ES.
ES ist: das Laufen ganz allein, noch etwas unbeholfen, aber stolz. Hier könnt daran teilhaben:

Was ich nun damit sagen will…

1. Wenn dir etwas liegt, wenn du eine Sehnsucht danach verspürst, aber einen Riesen-Schiss hast, dann weißt du, das genau dort dein Weg lang geht.
2. Wir können ALLES lernen, alles erreichen, was wir wollen. Unser Sein ist ständige Schöpfung. Unser Körper ist ein Wunder.
3. Wir brauchen nicht darauf zu warten, dass unsere Angst irgendwann verschwindet. Mut zu haben heißt nicht, keine Angst zu haben, sondern etwas mit der Angst zu tun.
4. Du darfst stolz auf dich sein!
5. Überall gibt es helfende Hände und himmlische Hilfe.
6. Lerne in Etappen und lass dich nicht drängeln, wenn du dich nicht bereit fühlst.
7. Sei ehrlich mit dir und konsequent in der Liebe.
8. Das Leben ist ein Tanz.
9. Es geht nicht um Sicherheit, sondern um Freude.
10. Genieße jeden deiner Schritte.

Wenn euch meine Geschichte gefallen, angeregt, inspiriert hat – ich freu mich auf eure Kommentare und das Anklicken des „Gefällt mir“- Buttons weiter unten.

Herzliche Grüße an euch alle und vielleicht sehen wir uns ja mal auf dem Eis, 😉
Ulrike

Schlittschuhlaufen - Der Erfolg

 

2 Kommentare zu Wo die Angst ist, geht es lang

  1. Liebe Ulrike,

    ganz frisch und frei vom Herzen – das ist ein wunderschöner lebendiger Beitrag von Dir,
    und ich freue mich – gerne auch mit Dir und allen anderen Lesern. Ich erlebe gerade auch so eine spannende Zeit, vieles bewegt mich innerlich und will sich nun Neu im Aussen zeigen, ich arbeite an einem künstlerischen Friedensprojekt. Meine kreative Schöpferkraft ruft mich und fordert mich auf, erste Ideen wollen verwirklicht werden – sich manifestieren – in und durch mich, so bin ich auf meinem Weg der Lebendigkeit.
    Ja, Angst bzw. das Angst haben ist ein natürlicher Prozess im Leben – in uns, der berücksichtigt werden will, aber zugleich auch das Überwinden wollen impliziert. So werden
    wir herausgefordert und es setzt den freien Willen auf den Plan, konstruktiv nach Lösungen
    zu suchen – sich weiterzuentwickeln – dies ist eine angeborene Kraft, die uns inne wohnt – wie die Neugierde – alles möchte doch erfahren und integriert werden. Das fordert und fördert uns zugleich – das Leben ruft uns eben stetig – es will sich selbst erfüllen.

    Schön gesagt, der Bewusstseinsprozess ist eine Verschmelzung mit Himmel und Erde – dieser Entwicklungsweg eines jeden Menschen zurück zu seiner Lebensfreude und Leichtigkeit, verkündet, dass wir auch manchmal durch Leid und Schmerz erst gereinigt werden müssen,
    um das Leben wahrhaft verstehen zu können. Alles andere hast Du wunderbar in Deine Geschichte integriert und somit die Stufen und Facetten beschrieben, die wir erfahren dürfen auf unserem Weg – zurück zur Freiheit und dem wahrhaftigen Mensch sein.
    Dies bedeutet auch sich selbst zu erkennen und in allem den Sinn findend – auch
    Verständnis zu haben – bis hin zu einem sich bewussten Menschen – im Einklang
    mit der Natur und der Erde. Mehr Verständnis bedeutet immer auch ein noch mehr an Mitgefühl zu entwickeln für andere, dem Leben an sich gerechter zu werden und dies ist zugleich auch der Weg hin zu mehr Menschlichkeit.

    So finden wir die Selbstliebe und die Harmonie auf unserem Weg, die Liebe und den Frieden teilen – denn diesen können wir schließlich nur in uns selbst machen, und in diese Welt so ausstrahlen – sie dadurch befruchten mit Freude und Liebe.
    In diesem Sinne einen Herzengruss.
    Beate. Frieden sein.

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  2. Ganz große Klasse! ♥ Toller Blogbeitrag – macht Spaß und inspiriert auf jeden Fall zu eigenen neuen Wagnissen! 🙂 Und ich freu mich auf unser nächstes Schlittschuhlaufen!

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