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Was will ich eigentlich?

Ulrike Bischof "Touching the Essence" - BewusstseinsCoaching & Stimmarbeit www.ulrikebischof.de


Wenn ihr meinen letzten Artikel „Schöpfer oder Geschöpf?“ gelesen habt, dann habt ihr vielleicht schon begonnen, euch selbst etwas besser zu beobachten – was ihr so denkt, fühlt und zum Ausdruck bringt im Laufe eures Tages. Und vielleicht ist euch auch aufgefallen, dass ihr meist sehr viel mehr an das denkt, was ihr nicht wollt und dass ihr oft sehr viel mehr über die Dinge sprecht, die ihr nicht wollt. Und wenn ihr noch weiter gegangen seid in euren Überlegungen, dann habt ihr euch vielleicht schon folgerichtig die Frage gestellt, WAS ihr eigentlich wollt…
Für euch und auch für alle anderen, die sich diese Frage vielleicht noch nie gestellt haben, möchte ich heute etwas näher darauf eingehen.

Um tiefer in dieses Thema einsteigen zu können, müssen wir uns schon zu Beginn bewusst machen, dass verschiedene Formen von Wille in uns leben.
Wahrscheinlich habt ihr es bereits bei verschiedenen Gelegenheiten gemerkt, dass, wie der Volksmund sagt, zwei Seelen in unserer Brust wohnen. Doch handelt es sich in diesem Fall nicht um zwei Seelen, sondern um zwei Instanzen in uns. Jede einzelne Instanz hat seine eigenen Beweggründe, Argumente und Vorgehensweisen.
Wie wollen wir uns also zurecht finden?

Zwei Willen

Es beginnt mit dem Verstehen
Der Beginn des Zurechtfindens ist immer das Verstehen. Je nachdem wie ihr veranlagt seid, braucht ihr das intellektuelle Verstehen und das intuitive Verstehen in dem Maße, wie es euch entspricht. Dem Einen reicht es, es gefühlt, erahnt, mal davon gehört oder gelesen zu haben und er hat es tief verinnerlicht, ohne groß darüber nachgedacht zu haben. Der Andere muss es mit jeder Hirnwindung durchdacht, überprüft und für gut befunden haben, um es annehmen zu können.
Ihr merkt also, wir sind verschieden gestrickt. Doch auch wenn wir verschiedene Hauptformen des Verstehens und Verinnerlichens nutzen, so brauchen wir alle doch beide Intelligenzen, die intellektuelle und die intuitive.

Verschiedene Formen von Wille
Der Wille unseres Egos (unser niederer Wille)
– Unser Ego weiß alles besser, aber weiß gar nichts.
– Es will uns vor drohendem Unheil beschützen, kann die Gefahr aber nicht realistisch beurteilen.
– Es ist in der Regel dagegen (gegen was auch immer).
– Es ist nie zufrieden, gleichgültig wie oft es seinen Willen bekommt. Es will immer noch mehr (noch mehr Geld, mehr Macht, mehr Anerkennung, mehr Respekt, mehr Erfolg, mehr Zufriedenheit, mehr …) Doch Zufriedenheit ist für das Ego unerreichbar, weil wir auf diesem Wege keine Zufriedenheit erreichen können.
– Es will alles, was es will, für sich. Alle anderen kommen später und eigentlich nie.
– Es ist überzeugt davon, mehr zu sein (entweder dümmer als andere oder schlauer als andere, reicher als andere oder ärmer als andere, kranker als andere oder gesünder als andere, spiritueller als andere oder bodenständiger als andere usw.) Es ist ihm völlig egal, ob dieses Mehr eine Abwertung bedeutet, solange dieses Mehr es hervorhebt.
– Es ist geprägt von der Vergangenheit und vergangenen Erlebnissen. Es trifft Entscheidungen für die Zukunft aus den Erfahrungen der Vergangenheit und kann deshalb keine wahre Veränderung hervorrufen.
– Es glaubt an Trennung und Alleinsein, weil es eine gespaltene Wahrnehmung hat.
– Es ist eine Mischung aus Gedanken und Gefühlen, die letztlich immer aus Angst und Furcht geboren werden. Immer und immer wieder.
– Es schreit laut seine Bedürfnisse in die Welt und erwartet, dass Andere diese Bedürfnisse erfüllen.
– Es hat immer überzeugende und mehr oder weniger vernünftige Argumente.
– Es sitzt in unserem Kopf und unserem Bauch.
– Es agiert am liebsten in bekannten Gewässern und mag das Unbekannte gar nicht.

Der Wille unserer Seele (unser hoher Wille)
– Unsere Seele weiß immer, was gut und richtig für uns ist, lässt es uns aber selbst herausfinden.
– Sie will uns weder beschützen noch herausfordern. Sie begleitet und führt uns sanft auf unserem Weg der Erkenntnis und Ganzwerdung.
– Für sie gibt es kein richtig und kein falsch. Jede Erfahrung ist Gold auf dem Weg zur Meisterschaft. Sie lebt im sowohl-als-auch.
– Sie bewertet unsere Erfahrungen nicht, sondern achtet sie und ihre Wichtigkeit als wertvollen Teil unseres Weges.
– Sie will alles, was sie will, für uns und alle anderen Lebewesen.
Sie weiß, dass wir ein Teil vom Ganzen sind, miteinander verbunden und Eins. Keiner kann mehr oder weniger sein.
– Sie ist immer im Hier und Jetzt präsent, kennt den ganzen Plan, weiß um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und um das glorreiche Ziel.
– All ihre Eingebungen und Impulse sind liebevoll, würdigend und mitfühlend. Ihre Gedanken, Gefühle und Handlungen entspringen immer der Liebe.
– Sie spricht leise zu uns, zart und doch machtvoll. Sie lässt uns immer die Wahl. Ihre Sprache ist die Sehnsucht und die Liebe.
– Sie argumentiert nicht, das hat sie gar nicht nötig. Ihr Wille und ihre Botschaften erscheinen uns häufig unvernünftig, peinlich, unmöglich, größenwahnsinnig, anmaßend und einfach nur schön.
– Sie kommuniziert mit uns über unser Herz.
– Sie liebt Herausforderungen und neue Abenteuer.

Das Herz führt

 

Kennt ihr diese beiden Stimmen? Kennt ihr die Unterschiede? Wisst ihr, wie verschieden sie sich anfühlen und anhören?
Natürlich kennt ihr sie. Mit Sicherheit habt ihr schon so manchem Widerstreit in euch gelauscht, habt mit beiden Instanzen gerungen und euch schlussendlich entschieden.

Doch auf welchen Willen hören? Welcher Wille ist der rechte? Gibt es einen rechten Willen? Gibt es einen falschen?

Unser persönliche Egowille war in der Vergangenheit sehr wichtig für uns. Durch ihn war es uns möglich, im Glauben scheinbaren Alleinseins und scheinbarer Trennung (von Anderen und Allem) verschiedenen Interessen nachzugehen, miteinander zu kollidieren, zu streiten, zu versöhnen, zu grollen, zu vergeben, zu verstehen, aufzustreben und zu fallen, anmaßend und demütig zu sein, zu lernen und letzten Endes die unendliche Weisheit unseres Herzens (das Sprachrohr unserer Seele) zu entdecken, weil wir feststellen, dass trotz aller Macht und Besessenheit unseres Egos und seiner Wünsche ihre Erfüllung uns nicht glücklich macht. Denn das Ego sucht seine Befriedigung immer im Außen und dort ist sie nicht zu finden. Denn unser Außen, unser Umfeld, unsere „Realität“, in der wir leben, ist immer unserer Wahrnehmung geschuldet. Das heißt, wir nehmen die Welt um uns herum so wahr, wie wir über sie denken. Sie spiegelt uns unsere Erwartungen und Befürchtungen. Sie ist ein großes Schlaraffenland, eine Matrix, die uns ständig und immerzu bedient.

Wenn ihr euch jetzt fragt, wieso eure tiefsten persönlichen Wünsche dann immer noch nicht in Erfüllung gegangen sind, kann das verschiedene Gründe haben:

1. Ihr wollt nicht wirklich, was ihr wollt.
Tief im Inneren wisst ihr, dass dies gar nicht euer Wunsch ist, sondern dass etwas Anderes euch glücklich machen würde. Entweder ist euch dies noch nicht bewusst oder ihr wollt es euch nicht eingestehen.
2. Ihr habt Angst vor der Erfüllung eures Wunsches.
Diese Realität würde Voraussetzungen fordern oder hätte Konsequenzen, die euch Angst machen und für die ihr euch nicht bereit fühlt.
3. Ihr boykottiert diesen Wunsch.
Meist unbewusst seid ihr der Meinung, dass euch die Erfüllung dieses Wunsches nicht zusteht, weil ihr euch dessen nicht wert fühlt.
4. Die Erfüllung dieses Wunsches steht im Gegensatz zu eurer Lebensabsicht und dem Seelenplan für euer Leben.
Wenn die Erfüllung dieses Wunsches euch zu weit von eurer Lebensabsicht entfernen würde, ist es euch nicht möglich, ihn umzusetzen. Denn Gott und ihr Selbst seid sehr daran interessiert, eurem geplanten Pfad so gut wie möglich zu folgen.

Dieser vierte und vielleicht wichtigste Punkt, wie ich finde, bringt uns nun zum Willen unserer Seele.
Sie ist der ständige Ruf in uns, der uns erinnert an unser wahres Wesen, unsere wahre Herkunft, unsere wahre Berufung. Sie hat eine lange Zeit dem Ego das Feld überlassen. Sie wusste, wir wollten spielen und sie ließ uns spielen. Doch nun erinnert sie uns sanft und eindrücklich wieder an uns selbst und an das Ziel unseres Spieles. Die Seele findet ihre Befriedigung nicht im Außen, sondern darin, uns selbst zu erkennen und im Außen auszudrücken. Ihr ist jede Erfahrung recht, die uns diesen Lohn bringt.

Die Lösung
ist es nicht, sich für einen Willen zu entscheiden und den anderen zu verdrängen.
Jeder hat seine eigene Wahrnehmung und Umgehensweise mit seinen beiden Willen. Doch viele, vor allem in der Spiri-Eso-Szene, sind der Meinung, ihren Egowillen hinter sich lassen, ja sogar töten und loswerden zu müssen. Diese Versuche rächen sich meist als fataler Bumerang, der sich sehr häufig in einer spirituellen Überheblichkeit und Missionierungszwang zeigt. Das Ego hat sich nun ein spirituelles Mäntelchen übergezogen und lediglich den Sandkasten gewechselt.

Wir dürfen unser Ego und seine Wünsche nicht ablehnen und verteufeln. Schließlich hat es uns zeitalterlang und auf jeden Fall in diesem Leben jahrelang treu gedient. Seine Intension war es nie, uns zu hintergehen oder etwas aufzuwingen. Es hat immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, auch wenn es manchmal anders sieht. Aber dies ist eine Frage des Blickwinkels und der Reife. Unser Ego war immer nur dafür da, unser Leben zu erhalten. Und es ist müde – auch wenn es das nie zugeben würde.
Deshalb ist es an uns, es zu entlassen, in den Ruhestand zu schicken. Und zwar in allen Ehren. Mit Pauken und Trompeten. Mit Dankesschreiben und Medaillenverleihung. Und, ganz wichtig, mit der Bereitschaft, nun wahrhaft selbst für uns zu sorgen, die Verantwortung für unser Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen und die richtigen Ziele zu verfolgen. Nur dann kann es sich entspannen und loslassen, seinen Ruhestand genießen und dankbar und träumerisch auf alte Zeiten zurückblicken.

Die Lösung ist es also, aus dem Herzen heraus zu entscheiden!
Denn in unserem Leben geht es schon lange nicht mehr nur um Kampf oder ums Überleben, sollte es jedenfalls nicht.
Es geht um Entfaltung.
Es geht darum, unser Bestes einzusetzen und allen zur Verfügung zu stellen.
Es geht nicht länger um Gegeneinander, sondern um Miteinander.
Es geht nicht länger um trennende Entscheidungen, sondern um vereinende Synergien. Es geht um win-win-Situationen, wie es heute heißt.
Es geht um eine friedliche Welt, in der Jeder Jeden wertschätzt.
Es geht um die Erinnerung, wer wir alle sind.
Es geht darum, alle zusammen eine Welt zu erschaffen, in der Jeder glücklich sein kann.
Es geht um Ganzheit, Gesundheit, Erfüllung, Freude und Unsterblichkeit, wenn du willst.

Also wenn du dich wieder einmal fragst, was du wirklich willst, öffne dein Herz, höre ganz bewusst allen Instanzen in dir zu und erlaube dir, groß zu denken.
Und wenn du dich wieder einmal fragst, wie du entscheiden solltest, dann stelle dir diese eine Frage:

                                                                   Was würde die Liebe tun?

Und du hast deine Antwort. Vielleicht gefällt sie dir nicht gleich. Vielleicht ist sie unbequem oder peinlich. Wahrscheinlich fordert sie dich heraus. Doch all das ist es wert.
Denn nur so erschaffen wir eine Welt, die wir uns alle so sehnlichst wünschen. Und das Argument deines Egos, dass du allein sowieso nichts an der Welt ändern kannst, ist spätestens jetzt nichts mehr wert. Das Einzige, was dich noch zurück hält, ist deine Angst oder deine Trägheit. Und auch dies sind Werkzeuge und Charaktistika deines Egos. Also nimm es sanft in den Arm, liebevoll, wie ein kleines Kind, höre ihm zu, nimm es ernst – und dann komm in deine eigene Verantwortung und triff deine Entscheidung aus dem Herzen heraus, so furchtlos und bereit, wie es dir im Moment möglich ist.
In dem Moment, wo du dies tust, übergibst du das kleine Egokind in liebende väterliche und mütterliche Hände. Und das alles bist du. Jetzt bist du wieder ganz und zu wahren Entscheidungen fähig.

Mach dir bewusst, dass deine Seele, so furchtlos sie auch ist, immer nur dein Bestes will. Und das Beste ist nie, auf alten Pfaden zu versauern und alte Suppe zu essen. Das Leben ist Wandel und Veränderung. Es ist Lernen und Verstehen. Es ist Abenteuerlust, Freude, Demut und Mitgefühl. Und Liebe. Liebe zu uns selbst und allen anderen Lebewesen. Frage dich nun noch einmal, was du eigentlich willst! Triff deine Entscheidung vor diesem Hintergrund. Vertraue und wage.

In Liebe,

Ulrike

 

Ein Kommentar zu Was will ich eigentlich?

  1. ulrikehirsch // 26. März 2015 um 21:56 // Antwort

    Wow! So etwas Einleuchtendes und Großartiges habe ich zu diesem Thema noch nie gelesen! Eine wunderbare und heilsame Erläuterung der „beiden Seelen in unserer Brust“! Und hilfreiche Tipps dazu! DANKE! ♥ DANKE! ♥ DANKE! ♥

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